heute-Artikel "90% fallen auf Phishing rein" mit Zeix-Statement
Du weisst, dass Deine Firma gewachsen ist...
... wenn Du plötzlich in der Zeitung ihren Namen liest, ohne vorher etwas davon gewusst zu haben.
Aus der Schweizer Abendzeitung heute vom 25. August 2006, Seite 28 (PDF-Ausgabe):
90% fallen auf Phishing rein
ZÜRICH «Laut einer US-Studie fallen die meisten Leute auf betrügerische E-Mails rein - wenn sie gut gemacht sind. Einzig die Dummheit der Ganoven schützt uns vor Schaden. Noch.
«Geben sie 20 Passwortzusatzen ein» hiess es in falschem Deutsch im Phishing-Mail, das es Anfang Woche auf «Migrosbank»-Kunden abgesehen hat (heute berichtete).
Hier versuchten Betrüger, ihre Opfer auf eine gefälschte Bankseite zu locken, um dort an deren E-Banking-Daten zu kommen - natürlich um dann das Konto zu räumen. Pures Glück verhinderte aber grösseren Schaden: Denn die Ganoven hatten auch im betrügerischen Link einen Fehler gemacht, so dass Surfer im virtuellen Nirvana landeten.
Trotzdem, ob UBS, ZKB oder Postfinance: Fast jedes Finanzinstitut erlebte schon eine Phishing-Attacke. Und wehe, wenn die (meist osteuropäischen) Betrügereien besser werden.
Schweizer vertrauen E-Mail blind
Laut der US-Studie «Wieso Phishing funktioniert» (Link zum PDF) der Harvard-Universität fielen 90 Prozent der User auf gut gemachte Betrugs-E-Mails herein.
Viele Leute merkten zum Beispiel nicht, dass die Seite www.ebay-members-security.com eine Phishing-Seite war und nichts mit www.ebay.com zu tun hat. Entsprechend kamen die Ganoven an geheime Login-Daten.
Und hierzulande? «In der Regel vertrauen Schweizer E-Mails blind und machen brav, was ihnen gesagt wird», sagt Jacqueline Badran, Chefin der Usability-Forschungsfirma Zeix. «Wenn es um persönliche Daten geht, werden sie aber misstrauisch.»
Das ist auch gut so, denn wenn eine Firma plötzlich schreibt, man müsse seine Login-Daten «zwecks Überprüfung» irgendwo angeben, ist das in 99,99% der Fälle ein Fake - oder eben: Phishing. bö.
Textkasten "Gut zu wissen"
Phishing ist eine Art der Tricktäuschung im Internet und bezeichnet das illegale Fischen nach Passwörtern. Der Begriff ist aus den Wörtern «password» und «fishing» zusammengesetzt. In der Regel wird versucht, Kunden via E-Mail auf gefälschte Firmenseiten zu locken, um dort an geheime Login-Daten zu kommen.
Wehr währe mit h schreibt, ist... bald in der Mehrheit?
Man ist ja inzwischen schon ein bisschen abgehärtet in Sachen Rechtschreibung. Diese Antwort bekam ich heute morgen von einem Copyshop:
From: xxxxx
To: Peter Hogenkamp
Date: Aug 25, 2006 7:38 AM
Subject: AW: Druck A0
Guten Morgen Herr Hogenkampf
Die Produktionszeit beträgt ein Tag. Am besten währe eine PDF - Datei.
Die kosten währen 130.- Franken für den A0 Druck. Und 10.- Franken PDF - Filehandling (TIFF 15.- Franken)
Im Moment haben wir jedoch noch 20% Rabatt auf Posterprints.
Mit freundlichen Grüssen
xxx xxxxxx
Man zuckt etwas, aber man entspannt sich auch wieder. Die Hauptsache ist doch, er findet die grüne Taste auf dem Kopierer.
Nur neun Stunden später kommt aber der nächste h-Schock in einem Blog-Post daher, und das von einer
Firma, bei der die Leute fürs Denken und Schreiben (!) bezahlt werden:
Gebährfreudige US-Amerikaner
25. August 2006 um 16:30
In den USA sind es 2,07 Kinder pro Frau, die dort geboren werden; damit ist die Zukunft der USA gesichert, wenn auch nicht der weissen Amerikaner. Die Schweizer Frauen haben nur Lust auf 1,42 Kinder pro Frau. Nur die Deutschen, die Spanier, die Italiener und die Polen liegen tiefer. Merke: Wenn die Schweizer Jugend für ihre Zukunft schwarz sieht, wird sie auch keine Kinder mehr wollen.
(Ob das ein sehr subtiles Wortspiel ist, das mit den "weissen Amerikanern" und später: "Wenn die Schweizer Jugend für ihre Zukunft schwarz sieht..."?)
Vielleicht hat der Autor ja gebährfreudig gegoogelt. Immerhin 513 Treffer. "Meinten Sie: gebärfreudig" wird allerdings vorgeschlagen, das hat dann zum Glück auch 2740 Treffer -- aber, oje, das sind ja auch nur 5.3 mal so viel. Oder umgekehrt gesagt: 19% der Leute, die im Web schreiben, und das ist ja nur die Hälfte der Bevölkerung, und tendenziell nicht die weniger gebildete, denken, es heisst "gebähren".
Bei nähmlich und nämlich ist das Verhältnis deutlich besser: Nur 1.7% schreiben die dämliche Variante -- das alte Sprichwort aus der Schule tut wohl noch seinen Dienst.
Dennoch. Habe ich nur das Gefühl, sie seien uns auf den Fehrsen, die Rechtschreibindividualisten? Ich hoffe, wir sind zumindest noch für eine Generation schneller. Solange nicht "Hogenkampf" oder "gebohren am 11.11.1968" auf meinem Grabstein steht, soll es mir danach egal sein.
thisisbroken - zum Beispiel der Schedule von eurogel2006

Vorgeschichte und Teil I:
- Seth Godin ist Bestsellerautor (bekannt seit "Permission Marketing") und erfolgreicher Blogger.
- Mark Hurst betreibt seit Jahren erfolgreich die Website This Is Broken, die inzwischen sinnvollerweise zu einem Blog mutiert ist und vor allem von Einsendungen von Usern lebt, die Sachen gefunden haben, die "broken" sind. Viele davon könnte man auch Usability-Probleme nennen. Seth, der mit "The Big Red Fez" ein frühes Usability-Buch geschrieben hat, schreibt, dass Mark und er die Idee zu This is Broken gemeinsam hatten.
- Mark hat mit seiner Firma Good Experience die "Gel conference" (steht für "Good Experience Live") ins Leben gerufen,
- und auf der wiederum Seth gesprochen hat. Das Video (dies ist der relevante Link in Teil I) ist kurzweilig anzusehen und hat mehrere schöne Beispiele wie das Schild oben, auch wenn die Kategorien, in die Seth die Probleme einteilt, etwas eigenwillig sind.
Teil II:
Wie ich eben herausfand, ist zum ersten Mal ein europäischer Ableger der Konferenz geplant, nämlich die euroGel 2006 in Kopenhagen am 1. September 2006. Hätte mir vorstellen können, dort hinzugehen, wenn ich früher davon gewusst hätte.
Doch ich bin gar nicht sicher, ob sie wirklich stattfindet, offenbar ist man sehr spät dran, denn laut Website wollte man "im Juli" das definitive Programm veröffentlichen, aber noch steht dort nichts - ein bisschen knapp, drei Wochen vorher.
Das wirklich lustige ist aber der Platzhalter, den sie für das Konferenzprogramm gemacht haben:
(Es fängt schon Donnerstag an, da suchen sie noch Sponsoren für den Apéro.)
Friday, September 1, 2006
Black Diamond Theater, The Royal Library, Copenhagen
All times are tentative, until we announce the final schedule in July, but we plan on making the schedule something very similar to what's below:
8:00 a.m. - 8:45 a.m. Breakfast
8:45 a.m. - 10:30 a.m. SESSION 1
10:30 a.m. - 11:00 a.m. Snack break
11:00 a.m. - 12:30 p.m. SESSION 2
12:30 p.m - 1:45 p.m. Lunch
1:45 p.m. - 3:30 p.m. SESSION 3
3:30 p.m. - 4:00 p.m. Snack break
4:00 p.m. - 6:00 p.m. SESSION 4
6:00 p.m. - 7:30 p.m. Cocktails
Aha. Das Mittagessen ist am Mittag, und am Morgen und am Nachmittag sind je zwei Sessions, unterbrochen jeweils von einer Pause.
Hallo? Good Experience? Jeder, der mal an einer ganztägigen Veranstaltung war, wird sich den Ablauf ziemlich genau so ausrechnen können. Wann sollte man den Lunch auch sonst machen? Kann eine Information also mehr "broken", unnützer sein als diese?
Wäre das nicht gleich ein tolles Beispiel für Seth' nächsten Vortrag? Gehört das unter "I'm not a fish"? Wer diese Information auf die Website hochgeladen hat, war noch nie an einer Konferenz und dachte daher, sie wäre von geringstem Wert, und irgendjemand würde aufgrunddessen $840 ausgeben? Oder eher "not my job", also: "Ich mach hier nur die Website, und wenn dann im Juli keiner mit dem Programm kommt, kann ich es auch nicht ändern."
Ohne Handy keine Linsen
Wer heute kein Handy hat wird wirklich diskriminiert, zum Beispiel im Online Shop von discountlens.ch - da ist das Feld Handynummer bei der Registrierung Pflicht!

Netterweise ist auch folgendes Feld Pflicht: "Falls andere Hinweis-Quelle/Helsana-Versicherungsnummer, bitte hier angeben" Aha.

Und hier dafür noch etwas positives: das Feld hat trotz Eingabe von "Habe keins" (bei der Handynummer) und einem Fragezeichen (bei"Falls andere Hinweis-Quelle/Helsana-Versicherungsnummer, bitte hier angeben") funktioniert. Danke.
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